Was ist Bauteiltemperierung?
Bauteiltemperierung ist immer dann ein Thema, wenn bestimmte Wandbereiche eine hohe Wandfeuchte aufweisen. Die Feuchtigkeitseinträge können aus der Raumluft stammen, durch aufsteigende Feuchte verursacht oder von Bauschäden und Baumängeln hervorgerufen werden. Durch die gezielte Temperierung der kritischen Wandbereiche, in Verbindung mit der fachmännischen Behebung der Schadensursache, werden Folgeschäden vermieden: Die Wand wird warm gehalten, trocknet aus und bleibt trocken. Eine trockene, temperierte Wand bietet Schimmel keine Wachstumsgrundlage.
Wie Feuchte und kalte Wandbereiche entstehen
Vieles haben wir in den vergangenen Jahrzehnten getan, um uns einen unerwünschten Mitbewohner ins Haus einzuladen: luftdicht schließende Fenster mit Vielfachverglasung eingebaut, Häuser komplett hinter dicken Polystyrol-Platten luftdicht eingepackt und fossile Rohstoffe verbrannt, um warmes Wasser zu erzeugen und warme Luft aufsteigen zu lassen. Kühlt eine Wandfläche aus, kondensiert dort die in der Raumluft gebundene Feuchtigkeit. Feuchte, kalte Wandbereiche hinter Schränken, in Raumecken und an Wärmebrücken sind der klassische Ausgangspunkt für Schimmelbildung. Wer dem vorbeugen will, muss die Wand warm und trocken halten.
Außendämmung: eine kritische Betrachtung
Bevor wir zur Lösung kommen, ein Blick auf den Weg, der Sanierern meist zuerst empfohlen wird: die Außendämmung. Die folgenden Punkte beziehen sich ausschließlich auf die Außendämmung von Wohngebäuden, Innendämm-Maßnahmen bleiben davon unberührt.
Was die Dämmung wirklich einspart
Bestandsgebäude, zum Beispiel Einfamilienhäuser, verlieren im Schnitt 20 bis 25 % der Wärme über das Außenmauerwerk. Wird das Außenmauerwerk gedämmt und stimmen die ausgelobten 60 % Energieeinsparung, dann spart man effektiv 60 % von 25 %: rund 15 % Einsparpotential.
Ein kurzes Rechenbeispiel: Ihre Heizkosten betragen 4.000 Euro im Jahr. Erhofft werden 60 % Ersparnis, also 2.400 Euro jährlich. Hat die Außendämmung insgesamt 50.000 Euro gekostet, hätte sich das Investment nach 21 Jahren gerechnet. Realistischerweise erzielen Sie eine Einsparung von etwa 15 %, also 600 Euro im Jahr: Das Investment trägt sich erst nach gut 80 Jahren.
Brandverhalten von Polystyrol
Polystyrol besteht aus Kohlenstoff und Wasserstoff, wir reden also von Erdöl. Je nach Gebäudegröße werden mehrere hundert Liter Rohöl über die Hausfassade verteilt. Im Brandfall kann die Außendämmung lichterloh brennen; in mehreren dokumentierten Fällen, etwa in Frankfurt, wurden Gebäude kontrolliert abbrennen gelassen. Hinzu kommen die giftigen Rauchgase und der Schaden für die Umwelt.
Biozide, Algen und Fassadenbewuchs
Die Entwicklung pflanzlichen Lebens auf einer gedämmten Fassade dauert etwa 6 bis 8 Jahre. In viel zu vielen Fällen sind bis dahin die in den Farbanstrichen enthaltenen Biozide und Fungizide durch den Regen ausgewaschen: Sie landen im Vorgarten und letztlich im Grundwasser. Ein großer Teil dieser Stoffe ist in der Landwirtschaft nicht mehr zugelassen. In Deutschland werden jährlich rund 100.000 Tonnen Pestizide (Biozide) produziert, etwa 34 % davon werden gegen Algen- und Schimmelbewuchs an Fassaden eingesetzt. Ist der Schutz ausgewaschen, können sich Algen und Schimmel auf der Fassade ausbreiten, von grünlich bis gräulich, oft erst nach Ablauf des Gewährleistungszeitraums. Die Fauna freut sich ebenfalls: Spechte erobern Nistplätze, Mäuse beziehen trockene Quartiere in der Dämmung. Und wer die Außendämmung eines Tages entfernen muss, steht vor einem Berg Sondermüll, ein etabliertes Recyclingkonzept existiert nicht.
Dichte Hülle und die Lüftungsfalle
Aus dem Markt werden zunehmend Fälle berichtet, in denen Bewohner komplett sanierter, außengedämmter Gebäude mit dreifach verglasten Fenstern und modernen Gasetagenheizungen mit steigenden Heizkosten konfrontiert werden, Steigerungen von 10 bis 30 % sollen keine Ausnahme sein. Der Hintergrund: Eine Gasfeuerstätte verbraucht pro Kilowatt eingestellter Nennwärmeleistung stündlich etwa 1,6 m³ sauerstoffreiche Luft, um das Gas sauber zu verbrennen. Reicht die nachströmende Frischluft in der dichten Gebäudehülle nicht aus, wird die Luft „schlecht“, man fühlt sich müde. Die Konsequenz: Fenster auf, Frischluft herein, viele Male während der Heizperiode und weit über das normale Lüften hinaus. Am Ende schlagen die Wärmeverluste durch dieses Vielfachlüften mit deutlich höheren Heizkosten zu Buche.
Glauben Sie nicht vorbehaltlos alles, was man Ihnen erzählt, auch uns nicht. Seien Sie kritisch und hinterfragen Sie Aussagen, denn möglicherweise geht es um mehrere zehntausend Euro.
Die Alternative: Hüllflächen- und Bauteiltemperierung
Wer die Dämmproblematik gar nicht erst aufkommen lassen will, temperiert stattdessen die Bauteile selbst. Das think[RED]energy® NIEDERTEMPERATUR-Heizsystem auf Basis von INFRAROT-Wärmestrahlung zur Hüllflächen- und Bauteiltemperierung wurde mit dem RWE Klimaschutzpreis 2011 ausgezeichnet. Es hält die Wände warm und trocken, kann zehntausende Euro an Investitionssumme sparen und kommt ohne sichtbare Heizkörper aus: Nach der Umrüstung sehen Sie unter Umständen nur noch Thermostate an den Wänden. In Verbindung mit einem Wärmestromtarif auf Basis regenerativ erzeugten Stroms heizen Sie zudem CO2-neutral.
Verwechseln Sie die Bauteiltemperierung dabei nicht mit INFRAROT-Hochtemperatur-Heizelementen: Hier geht es um niedrige Oberflächentemperaturen, die kontinuierlich auf das Mauerwerk wirken.
So arbeitet die Wärmeleiste an der Problemwand
Ein wichtiger Baustein der Bauteiltemperierung ist die mit Strom betriebene Wärmeleiste. Mit ihr wird die Wärme exakt dorthin gebracht, wo sie benötigt wird. Verbaut zum Beispiel hinter dem Kleiderschrank und mit einem Thermostaten versehen, wird über einen abgesetzten Temperaturfühler die Oberflächentemperatur der Wand kontrolliert und konstant bei 17 °C gehalten. Die Wandoberfläche bleibt dauerhaft trocken und bietet Schimmel damit keine Wachstumsgrundlage. Daneben verhindern die NIEDERTEMPERATUR-Wärmeleisten, dass Feuchtigkeit im Mauerwerk aufsteigt, temperieren das Mauerwerk und lassen sich so auch zur gezielten Bauteil-Trocknung einsetzen.
Bauteiltemperierung im Denkmalschutz
Weil bei der Bauteiltemperierung weder die Fassade hinter Dämmplatten verschwindet noch massiv in die Bausubstanz eingegriffen wird, eignet sich das Verfahren besonders für denkmalgeschützte und historische Gebäude. Auch die Denkmalpflege empfiehlt das Verfahren für die Sanierung und energetische Optimierung von Gebäuden. Details zu den Studien und Auszeichnungen finden Sie unter Auszeichnungen und Studien.
Zwei Wege zur warmen, trockenen Wand
- Eine einzelne Problemwand: Für einen eng begrenzten Wandbereich oder zur gezielten Vorbeugung gibt es unsere Problemwand-Sets zur Selbstmontage: Wärmeleiste montieren, Thermostat einstecken, die Wand trocken halten.
- Mehrere Wohnungen oder ganze Objekte: Für Vermieter und Hausverwaltungen mit wiederkehrenden Feuchteproblemen haben wir die wichtigsten Informationen unter Schimmelvorbeugung für Vermieter zusammengestellt.
Sie sind unsicher, welcher Weg zu Ihrem Gebäude passt? Sprechen Sie uns an, wir unterstützen bei der Auslegung.